Wie alles begann

 

Vielleicht ist es, weil sich der zwanzigste Jahrestag des Unglücks am Saxetbach nähert, vielleicht ist es die Tatsache, dass ich bei der Suche nach Worten, meine Art des Musizierens zu definieren, nicht weiterkomme – heute am Auffahrtstag 2019 drängt es mich, die Geschichte, das Erlebnis, den Anfang der neuen Begegnung mit meinem Klavier in Dankbarkeit aufzuschreiben und zu würdigen.

Ein plötzlich auftretendes starkes Sommergewitter liess einen unscheinbaren Bach in meinem Wohnort im Sommer 1999 anschwellen und riss eine grosse Gruppe junger Abenteurer in den Tod.

 

Die Erschütterung, die Trauer, die Anteilnahme waren bis über die Landesgrenzen hinweg riesig.

Mein Morgenspaziergang mit unserem Hund führte an jenem Gewässer entlang. In Gedanken war ich dadurch lange Zeit mit den Opfern und ihren Verbliebenen verbunden. Besonders eine junge Frau, die nicht geborgen werden konnte, erfüllte mein Herz mit Schwere.

Eines Tages blieb mein Hund an einer bestimmten Stelle stehen und wollte nicht mehr weiter. Auch ich spürte, dass es wichtig war, an diesem Ort inne zuhalten. Was da so präsent war, konnte ich nur vermuten. Ich nahm dieses Gefühl mit nach Hause, setzte mich sofort ans Klavier und spielte, wie ich zuvor noch nie auf meinem Instrument gespielt hatte. Ohne nachzudenken liess ich Töne und Klänge zu, gewährte Bilder und Gefühlen Einlass, bis sich nach und nach alles in Frieden und Ruhe transformierte. Dieser Prozess bescherte auch mir ein tiefes Glücksgefühl. Wie ein Gebet fühlte sich dieses bedingungslose Musizieren für die verschollene, junge Frau an.

 

Von nun an setzte ich mich ans Klavier, wenn bei Klienten oder Bekannten ein Thema erstarrt blieb. Aus Bildern und Gefühlen formte ich für sie daraus persönliche KlangWortBilder. 77 davon habe ich in einem kleinen Gedichtband zusammengefasst. Mittlerweile ist das intuitive Musizieren ein fester Bestandteil in meinem therapeutischen Begleiten geworden.

 

Klänge, die mir geschenkt werden, bringen sowohl körperliche wie auch seelische Beschwerden in eine Wohlschwingung. Ich bin unglaublich dankbar und immer wieder berührt, wenn ich auf diese Weise spielen darf.

Mit Freude experimentiere und forsche ich weiter. Themen aus dem Tierreich, der Gesundheit, der Umwelt aber auch des Universums melden sich.

 

Seit meiner Reise nach Ecuador und den Galapagosinseln nehme ich die Musik (Klavierstimmung 432 Hz) in meinem Praxisraum auf.

Maya Gabriel, meine (Reise)-Freundin, ist mir eine grosse Hilfe und Inspiration. Ihr schicke ich immer wieder Musikdateien und ihre Rückmeldungen sind Gold wert. Auf das kommende Seminar, «Herzenswünsche hören und ihnen Kraft geben», das ich mit ihr zusammen in Davos leite, freue ich mich sehr. Die Kraft einer solchen Woche durfte ich letztes Jahr als Teilnehmerin erleben. Vieles davon schwingt noch in meinen Alltag hinein.

 

Ich habe angefangen, in der Haltung des Hörens nach innen, auch auf Kleinbühnen, Seminaren und in Institutionen zu spielen.

Welche Freude!